Endloses Meer…

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Im Bezug auf die Piraten gab es nach dem Korridor keine Entwarnung, denn das gesamte Gebiet bis hinüber nach Malaysia sei gefährdet, hiess es. Mir war es recht, und wer sich fürchten wollte, kam vermutlich auf seine Rechnung.

Doch für mich war es Zeit „zum Entspannen“, denn viel war bisher geschehen und es gab nichts Schöneres, als gleich nach der Ausfahrt aus dem Golf von Aden Delfine zu sehen – ganz kleine Delfine. Sie waren jedoch kaum zu sehen und so bin ich froh, wenigstens eine dieser winzigen Rückenflossen auch auf Foto zu haben… Dolphin - Arbeitskopie 2

Die Vollmondnächte (rund um den 17.Dezember) waren wunderbar. Und ab nun wurde es langsam auch warm und schwül. Es gab viele Gewitter und oft einen heftigen Seegang.

Die Wale habe ich immer wieder nahe gespürt. Zu Weihnachten hat jemand angeblich auch einen gesehen… Vielleicht werde ich sie später sehen.

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Aber wir hatten auch einen wolkenlosen Tag, einen einzigen. Da sah man nur blauen Himmel, Sonne, Meer – hin und wieder ganz in der Ferne tauchte ein Schiff am Horizont auf. Auch das ist eine ganz eigene Erfahrung. Auf das Deck hinaus gehen kann man da kaum, weil es einfach zu heiss ist. Ansonsten regt und bewegt sich gar nichts.

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Als wir uns dann den Malediven näherten und an ihnen im Norden vorbeifuhren, ist es schwül-heiss geworden. Das war genau zur Winter-Sonnenwende. Zwei Tage später sahen wir in weiter Ferne Sri Lanka, und am Tag davor haben wir die Südspitze von Indien passiert. Land war aber jeweils nie bis kaum zu sehen. Es war auch sehr dunstig.

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Sri Lanka aus der Ferne

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Während dieser beiden Wochen gab es fünf Mal eine Zeitumstellung, und da ist es dann so, dass man kurz vor ein Uhr nachmittags ev. ein kleines Mittagsschläfchen macht und man dann erst nach zwei Uhr wieder aufwacht. Weg ist eine Stunde! Wir hatten nämlich eine automatische Uhr, die diese Umstellung vor sich nahm.

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Weihnachten hat dann den Alltagstrott am Schiff ein wenig unterbrochen. Am 24.Dezember gab es mittags wie abends ein Fisch- und Meeresfrüchte-Buffet und am 25.Dezember mittags wie abends ein Barbecue, wobei am Abend noch ein Spanferkel dazu kam.[1] Ich konnte es schon kaum mehr sehen und noch viel weniger riechen.

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Die Mannschaft, die sich fast genau in zwei Teile unterteilt hat, nämlich die kroatische und die philippinische, hat das Fest sehr unterschiedlich begangen. Die einen spielten auf cool und europäisch distanziert (nach der langen kommunistischen Zeit auch verständlich), und die anderen waren einfach darauf eingestimmt. Für sie hatte das Fest noch eine Bedeutung… Es gab dann noch einen längeren Karaoke-Abend mit viel philippinischer Begeisterung. Natürlich wurde auch der „Passenger“ – wie sich mich nannten oder einfach Ma’am (Madame) – zum Mitmachen aufgefordert. Und als ich zum Schluss für sie das „Silent Night“ angestimmt habe, war die Begeisterung gross und selbst die Diensthabenden ganz oben auf der Kommandobrücke waren live dabei.

Zu erwähnen ist noch, dass es auch zwei Chinesen an Board gab, von den Philippinos “China-Town” genannt.

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Das Leben auf so einem Schiff ist etwas ganz Eigenes. Man lebt da in einer riesigen Stahlkonstruktrion und es gibt faktisch kein Entrinnen. Wochen- und monatelang fährt eine solche Mannschaft von einem Hafen zum anderen. Und es ist zumeist eine reine Männer-Gruppe, die militärisch organisiert so ihren Alltag lebt, wobei wir mit unserem Captain auch ein grosses Glück gehabt haben, denn für ihn stand immer die Mannschaft als Familie im Vordergrund.

Abwechslung gibt es in diesem Arbeitsalltag nicht wirklich viel. Wir hatten einen Fitness-Raum und einen Swimming Pool. Ersterer hat mich nie gesehen und zweiteres wurde erst im indischen Ozean zum ersten Mal mit Meerwasser befüllt. Vorher war es zu kalt. Es reichte für fünf Schwimmtempo, und wenn der Seegang zu hoch war, konnte es sein, dass man einfach aus dem Pool herausgespült wurde…

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Inzwischen sind wir in Port Kelang in Malaysia gelandet. Wegen eines Streiks des Hafenpersonals mussten wir auch hier stundenlang warten, und statt der geplanten Ankunft am 27.Dezember um 14 Uhr legten wir genau zwölf Stunden später an. Die ersten „Gäste“ des Landes aber kamen bereits, als wir noch weit vor der Stadt standen: die Kakerlaken.

Am nächsten Tag ging alles sehr schnell. Ich wurde vom Schiff abgeholt. Dann musste ich zunächst durch die Zoll-Formalitäten. Schliesslich wurde ich zum Hotel in der Stadt Kelang (oder auch Klang) gebracht. Auf der Fahrt dorthin stoppte der Taxifahrer an einem kleinem Markt für ein malaysisches Frühstück. Ich war jetzt in einer komplett anderen Welt angekommen… Es war eine wunderbare Reise, genau die richtige Zeit für das, was zu tun war. Doch das Schiff wird mir nicht fehlen.

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In nächster Zeit werde ich wohl eine Überdosis an Obst und Gemüse brauchen, denn während der letzten beiden Wochen auf dem Schiff gab es kein „frisches“ Obst mehr, und auch Gemüse und Salat haben zunehmend ärmer ausgesehen. Es gab viele Mahlzeiten, die für mich dann fast nur mehr aus Weissbrot und Käse (aus Holland, d.h. gen-manipuliert) bestanden haben. Ob Malaysia für einen Ausgleich der richtige Platz ist, kann ich wohl erst später sagen.

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Speiseplan für einen Tag…

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Officers Messroom – Speisesaal für Captain, Offiziere und Kadeten

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… und für den “Passenger” natürlich, der sass alleine…

NACHTRAG: Die “Cassiopeia” ist in den nächsten Wochen entlang der chinesischen Küste unterwegs und wird vermutlich Ende Jänner wieder hierher zurückkehren, um dann weiter  nach Europa zu fahren, um die Container aus China anzuliefern. “Alles China” heisst es in der Wirtschaft. Wir werden sehen, wohin uns das noch bringen wird!


[1] Ich glaube, es wird noch lange dauern, bis ich das Grauen vor so viel Fleisch überwunden habe… aber es war hier einfach nur ein „Durchtauchen“ möglich – nämlich so viel wie nötig und so wenig wie möglich. Denn einen Schiffskoch beleidigt man nicht…