Eulenblick 6

Eule

Eulenbild: Steve Musial, Canada

Wir haben “den Rubikon überschritten” – seit einiger Zeit schon. Nach aussen hin mag es so aussehen, als würde sich kaum etwas verändern. Doch der Wandlungsprozess ist unaufhaltsam in Gang. Für die Menschen in der Türkei bedeutet das, dass sie “den Bosporus überschritten” haben, das ist die Brücken-Verbindung zwischen Europa und Asien, zwischen dem Westen und dem Osten.

Sie haben getan, was für uns alle nun wichtig werden wird: sie sind gegen jene Elite aufgestanden, die ich in diesen Eulenblicken immer wieder als Raubritter bezeichnet habe, und die den Menschen nimmt, was ihnen als Geburtsrecht eigentlich zustehen würde – nämlich ihre Freiheit, ihre Menschenwürde und einen lebendigen, gesunden Planeten, auf dem sie sich entfalten können. Das ist bei uns genauso, nur glauben wir, inmitten dieser Räuberhöhle frei zu sein, weil uns die Raubritter immer wieder ein Zuckerbrot reichen. Das macht die Menschen bereit, die Peitsche dahinter zu übersehen und so zu tun, als ob nichts wäre.

Doch die Menschen in diesem Land haben genug davon. Das Niedermähen eines schönen Parkes, um einem neuen Einkaufszentrum Platz zu machen, war nur der Auslöser für das, was lange schon gärt. Die Türkei wird von den westlichen Mächten, von den Raubrittern, lange schon für ihre eigenen Zwecke missbraucht. Als wichtiger Nato-Stüztpunkt versucht man von dort aus alle möglichen Kriege einzufädeln, natürlich auf Kosten der Bevölkerung. Und man installiert sich dazu genau jene Regierungen, die gefügig sind und die diesen Grössenwahn mit betreibt.

Seit Jahrzehnten schon werden muslimische Völker, wie die in der Türkei, gegen die christlichen Völker aufgewiegelt, um sie gegeneinander aufzubringen und daran Kriege zu entzünden. Am Anfang des vergangenen Jahrhunderts hat man dasselbe mit Juden gegen Christen gemacht. Und es wurde ein Weltkrieg daraus.

Wie auch schon in Bosnien vor zwei Jahren, so habe ich auch die Türken als sehr freundliche und vor allem auch gastfreundliche Menschen erlebt, die es verstehen, ihre Lebensfreude zum Ausdruck zu bringen und alle daran teilhaben lassen. Und das Zusammenleben wirkt bei weitem friedvoller, als es unter christlichen Völkern bzw. im Westen üblich ist.

Am Tag, an dem ich Istanbul – nach einer Woche an intensiver Arbeit dort – verlassen habe, haben sich die Spannungen zunächst einmal in Istanbul zu entladen begonnen. Die Menschen waren nicht mehr bereit dazu, dass ihr Leben immer mehr eingeschränkt wird. Sie sind auch nicht bereit zu glauben, dass ihre Nachbarn in Syrien und im Iran die Verbrecher sind, als die sie vom Westen ständig hingestellt werden…

… und sie zahlen momentan dafür einen hohen Preis. Unsere Unterstützung ist deshalb für sie wichtig, und sei es nur durch einen Gedanken, durch eine brennende Kerze, durch ein Lied, durch Klang, durch ein Symbol. Sie werden es spüren und sie werden es brauchen. Denn sie tun, was bei uns noch aussteht: sie befreien sich von den alten Mächten und legen dabei den Grundstein für ein ganz anderes Menschsein auf diesem Planeten.

http://wirsindeins.wordpress.com/2013/06/02/turkischer-fruhling-was-passiert-gerade-in-istanbul/

http://www.rightnow.io/breaking-news/turkey_bn_1369752659185.html

http://www.tagesspiegel.de/politik/proteste-gegen-erdogan-in-der-tuerkei-fast-wie-eine-revolution-/8285604.html

http://orf.at/stories/2185338/

http://www.handelsblatt.com/politik/international/proteste-in-der-tuerkei-polizei-greift-in-ankara-wieder-zu-traenengas/8287332.html

http://www.welt.de/politik/ausland/article116746264/zgbdc5-6acig71pi5218t1wj7cx-original-jpg.html

http://www.welt.de/politik/ausland/article116746265/Am-Taksim-Platz-werden-Bordelle-zu-Lazaretten.html

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Bosporus Brücke…

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