Westküste

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Die Reise von der Ost- zur Westküste (noch immer auf der Südinsel) hat fast einen ganzen Tag lang gedauert. Zuerst ging es mit Bussen aus Christchurch hinaus Richtung Norden und dann weiter mit dem Auto und mit Freunden, die ich an diesem Tag eigentlich erst wirklich kennen gelernt habe (die Verbindung läuft da über meine Freunde in Vancouver).

Wir fuhren hinauf über Berge über die Pass-Strassen des Lewis-Passes und wieder hinunter, vorbei an riesigen grünen und saftig aussehenden Rinderherden. Man hat mir erzählt, dass das, was früher Schafweiden und sehr karges Land waren, nun diese Rinderweiden sind – künstlich bewässert aus einer Tiefe von ungefähr 120 Metern. Herden mit fünfhundert Tieren seien kleine Herden, und die Industrie zwingt die Menschen immer mehr zu Monsterfarmen mit sechs- bis achttausend Tieren.

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Das alles sei notwendig, denn schliesslich müssten China und Südamerika nun auch endlich mit den Segnungen der Milchprodukte beglückt werden. Das sind jene Völker, die sich bisher einen gesünderen Lebensstil ohne all diese Überversorgung bewahrt hatten (soweit man sie das lassen hat). Milch wird dorthin nun vor allem als Milchpulver geschickt, und man kann sich vorstellen, wie „wertvoll“ das ist. Chinesische Babies bekommen jetzt australisches und neuseeländisches Milchpulver, und man schätzt sich dort angeblich glücklich über diese guten Produkte. Die „schöne neue Welt“, wie Aldous Huxley sie im gleichnamigen Buch beschrieben hat, nimmt sich dagegen ziemlich harmlos aus.

Die beiden Freunde sind dann auch bis zum nächsten Tag geblieben und haben mir die Gegend ein wenig gezeigt. Wir hatten viele spannende Gespräche, und aus ihrer Zusammenarbeit mit den Maori hat sich einiges für mich geklärt. Es hat sich gezeigt, dass deren Voraussagen mit meiner Arbeit völlig in Übereinstimmung stehen… und später, dass die Maori-Visionen dadurch jetzt viel mehr Sinn ergeben. Somit kann ich ins Finale gehen mit dem Gefühl und Wissen, dass alles in die richtige Richtung geht.

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Nördlichster Punkt, an den ich auf dieser Insel gekommen bin – von da aus gibt es nur mehr einen mehrtägigen Wanderweg hinauf in die Stadt Nelson, den sogen. Heaphy Track

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Danach Fahrt zu einer Kalkstein-Höhle hoch oben in den Bergen, genannt Oparara-Arch

Dann stand mir eine Woche Hausreinigung bevor… und nach deren Abschluss ein erneuter Umzug. Jetzt bin ich an einem Platz genannt „Last Resort“, und das Leben hier ist seeehr simpel: Toilette und Dusche sind weit weg, und es kann vorkommen, dass nach getaner Arbeit gegen Mitternacht das Duschwasser kalt ist. Es gibt zwar eine “Küche” mit Wasserkocher, Mikrowelle und Kühlschrank, doch weit und breit kein Wasser und keine Waschbecken. Somit esse ich  einmal am Tag im Restaurant. Das Essen ist ganz gut, und dennoch freue ich mich schon auf gesundes Selbergekochtes. Manchmal ist es beim Arbeiten kalt bis auf die Knochen, dann wieder föhnig-schwül. Es ist eben Herbst.

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Das Haus und Blick aus dem Fenster bei Sonnenuntergang

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Das “Last Resort”

Seit der letzten Woche habe ich mir ein Fahrrad ausborgen können – ein rostiges Ding, das ich zunächst einmal strassentauglich machen musste, das sonst aber recht sportlich ist. Im Gegensatz zum Helm, der eigentlich völlig unnütz ist. Also nehme ich ihn nur zur „Dekoration“ für die Polizei, die angeblich scharf auf Helme ist.

Jedenfalls kann ich damit meine Umgebung viel besser erkunden, und manchmal radle ich damit einfach in die Weite, um in Bewegung zu kommen. Hin und wieder ertappe ich mich dabei, dass ich auf der rechten, statt auf der linken Seite fahre, zum Glück immer so, dass ich rechtzeitig draufkomme. Und es gibt hier auch wenig Verkehr. Ich hoffe nur, dass ich zu Hause dann wieder rechts fahren werde.

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Das sogen. “Estuary” gleich hinter dem Ort – die Flussmündung des Karamea-River, die vom Salzwasser des Meeres geflutet ist und deshalb mit den Gezeiten des Meeres mitgeht

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Es ist dies ein Gebiet mit einer reichhaltigen Flora und Fauna, teilweise auch ein Moorgebiet. Meine “Lieblingstiere” sind die Sandfliegen, für deren Erhalt die Touristen gebeten werden, sich einfach beissen zu lassen… Eine andere Art von Tourismus-Werbung!

Der heutige Ort Karamea wurde vermutlich ab dem fünfzehnten Jahrhundert von den Maori genutzt. Erst gegen Ende des 19.Jahrhunderts hat man ihn dann als sogenannte „Spezial-Siedlung“ angelegt, um herauszufinden, ob das Gebiet landwirtschaftlich nutzbar ist und vor allem, um Gold abzubauen. Auch Holzindustrie und Flachsanbau spielten eine gewisse Rolle. Doch hat sich insgesamt alles als wenig ergiebig erwiesen, genauso wie der Boden generell. Und ebenso geht es heute dem Tourismus, der ja immer Zahlen vorweisen und Massen anlocken muss. Gut aber für mich, denn für meine Arbeit ist dieser wenig abwechslungsreiche Platz genau das Richtige.

Freilich tut die Tourismus-Industrie so, als wäre es hier das reinste Paradies. Doch ist es einfach, was es ist: ein relativ ruhiger Ort am Tasmanischen Ozean mit einer recht bemühten “Hippie-Community”. Das Meer allerdings rauscht und donnert, wie ich es noch nie gehört habe. Nach einem Spaziergang draussen kann es vorkommen, dass ich das Rauschen noch lange im Körper spüre.

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Bild 1: Reiher / Bild 2: ein Blick vom Meer (= tasmanische See) über die Karamea-River-Mündung hinüber in den Ort Karamea / Bild 3: wilde Waldhenne / Bild 5: der Bereich zwischen Estuary und Meer mit Blick nach Süden / Bild 6: Blick nach Norden

Und wenn ich so nebenbei den Menschen zuhöre, z.B. wie im Info-Zentrum eine Dame jemandem erzählt hat, dass der Ort eigentlich „am Ende“ sei, weil die Jungen alle wegziehen und nur mehr die Alten bleiben… dann kann ich mir schon ein genaueres Bild machen und mir auch erklären, warum mindestens die Hälfte aller Grundstücke zum Verkauf anstehen. Das ist nämlich wirklich auffallend viel.

Die Royals sind gerade im Lande… Doch den durchschnittlichen Neuseeländer kümmert das herzlich wenig. Natürlich machen die Medien grosse Berichte, denn „the Show must go on“. Aber die Insel ist dabei, sich von den alten aristokratischen Abhängigkeiten zu befreien und sich in eine Republik zu verwandeln. Damit das aber nicht zu schnell geschieht, hat man den richtigen Minister-Präsidenten installiert. Er ist – wie seine Kollegen in den anderen Kronlädnern – den alten Machteliten restlos untergeben.

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Das Wetter in den letzten Tagen ist grau und verregnet… hier ein Blick von einem südlicheren Teil der Flussmündung zurück nach Karamea. Die Mündung dürfte auch bei einem schweren Erdbeben im Jahr 1929 völlig verändert worden sein. Sie ist seither für die Schifffahrt nicht mehr zugänglich…

Meine wichtigste Aufgabe während dieser ganzen Reise war es, mich um Strukturen zu kümmern, die sehr heikel und oft sehr klebrig sind und die dem Prozess der Wandlung auf bestimmte Weise ganz direkt im Weg stehen würden. Viele Dinge sind nun aufgelöst und es geht’s ins Finale. Die Konstellationen der nächsten Wochen (Mond- und Sonnenfinsternis, grosses Kreuz) spielen dabei, wie es aussieht, eine grosse Rolle – ohne dass ich es bisher geahnt hätte. Und am Ende des Monats werde ich dann zurückkehren.

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