Kiwi-Land

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Ein erstes Hello aus Neusseeland…

Samstag gegen Mitternacht bin ich hier in Christchurch auf der Südinsel von Neuseeland gelandet. An Land gegangen sind wir dann allerdings bereits am Sonntag. Die Nacht hat die Stadt eingehüllt und von oben betrachtet war sie wie ein schimmernder Kristall am Meer.

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Ein kleiner Vorgeschmack auf “Mittelerde” ist hier bereits zu spüren,

wie es aus den Hobbit- und Herr-der-Ringe-Filme bekannt geworden ist…

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Das Meer donnert herein – man kann es auch noch in einigen Kilometern Entfernung hören

Als ich mich dann am nächsten Tag von einem Vorort aus Richtung Stadt begeben habe, hat sich plötzlich ein anderes Bild gezeigt. Schon die angrenzenden Häuser waren leerstehend und zum Teil völlig desolat, die Umzäunungen eingedrückt, die Gehsteige und Strassen voller Risse und nur notdürftig ausgebessert. Strassen waren abgesperrt, Grundstücke ebenfalls. Überall war Wasser…

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Private Häuser und das Ausmass der Zerstörung…

Als wir dann in der Innenstadt ankamen, war dieser Eindruck noch viel stärker. Die ganze Stadt war immer noch wie in einem Zustand der Zerstörung und wie in einer grossen Starre… Dabei ist es gar nicht auszudenken, wie es wohl damals ausgesehen haben mag, als am 4.September 2010 die Erde hier am frühen Morgen minutenlang gebebt hat (Stärke 7,1). Unzählige Häuser waren beschädigt oder stürzten ein, und die Infrastruktur kam zum Erliegen, Wasserleitungen zerbrachen. Die Stadt stand dann auch noch unter Wasser.

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Die Ruine der Kathedrale von Christchurch; ihr Turm ist beim ersten Beben eingestürzt… Geld zum Wiederaufbau dürfte es keines geben, aber viele Menschen wollen sie zurück haben, denn sie war das Wahrzeichen der Stadt

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Ein gutes halbes Jahr später, am 22.Februar 2011 wurde die Stadt dann erneut von einem Beben erschüttert, diesmal zwar von geringerer Stärke (6,3), aber vom Ausmass her noch viel verheerender, das das Epizentrum direkt unter der Stadt lag. Dieses Mal forderte es auch viele Menschenleben, da die ganze Fernsehstation und ein Firmengebäude mitten am Tag (es war 12h51) in sich zusammenstürzten. Es war ein Ausmass, das der Explosion von 49 Tonnen TNT gleichkommt. Unvorstellbar einfach.

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Vier Monate später, am Nachmittag des 13.Juni 2011, bebte es erneut mit einer Stärke von 6,3 und es kam zu weiteren grossen Zerstörungen und zu Felsstürzen.

Zwei Tage vor Weihnachten, am 23.12.2011, sollte es noch ein weiteres Mal stark beben, nämlich mit einer Stärke von 5,8

Davon abgesehen gab es in den zwei Jahren nach dem ersten grossen Beben rund 11.500 Beben hier im Raum Christchurch, viele davon als starke Nachbeben.

Zu all dem gab es vor rund 3 Wochen hier einen enormen Hurrican mit riesigen Überschwemmungen. Auch davon versucht sich die Stadt gerade zu erholen. Überall steht daher noch das Wasser… Das Leben in dieser Stadt ist ein einziges grosses Provisorium!

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Und es fühlt sich wirklich sehr unruhig an. Das habe ich bereits in der ersten Nacht gespürt, als ich von all dem noch keine Ahnung hatte. Und tatsächlich war da ein Beben in der Stärke von 2,8. Es bebt sozusagen ständig vor sich hin, und ich bewundere die Menschen, wie sie damit zu leben versuchen. Das Eis ist allerdings sehr dünn, denn als ich an der Touristen-Info kurz gemeint habe, dass ich den Zustand der Stadt ziemlich deprimierend finde, habe ich fast ein emotionales Erdbeben ausgelöst, denn: es sei doch alles in Ordnung hier, und die Stadt sei lebendig und sie floriere. Wie ich denn nur auf diese Idee käme? Da habe ich gewusst, was ich hier auf keinen Fall sagen darf. – Bestimmt aber bleibt hier immer die offene Frage bzw. das bange Gefühl: Was ist, wenn es wieder geschieht?

Gestern habe ich mir dann die Ausstellung „Quake City“ angeschaut, wo man hautnah die Beben nach-erleben kann. Am Anfang stand ein kurzer Film der Maori, die sehr beeindruckend über die Schöpfung und die Erde sprachen, dann war ein Baby im Mutterbauch zu sehen… und wie es dann bebte und das Baby heraus-katapultiert wurde…

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Mehr als 1000 Geschäfte und Lokale wurden bei den Beben zerstört. Hotels gibt es in der Innenstadt momentan nur drei, die z.T. neu eröffnet haben (wie z.B. Hotel Ibis). Überall stehen Container, um so das Einstürzen von stehen gebliebenen Mauern zu verhindern… Viele Geschäfte befinden sich jetzt am Stadtrand

Christchurch und der ganze Distrikt Canterbury ist übrigens ein heikler Punkt auch, was die Ureinwohner betrifft. So wie sonst überall, hat man auch hier versucht, sie zu vernichten. Und es gab Zeiten, in denen es nur mehr rund fünfhundert waren. Doch die Maori waren und sind Krieger, und es sind ihnen dann sofort Gruppen aus dem Norden zu Hilfe geeilt. Man hat Verträge mit den neuen Machthabern abgeschlossen, die dann nicht eingehalten wurden. Und wie überall, so brachten sie auch hierher Alkohol, Krankheiten und Krieg. Aber man fürchtete die Maori ein wenig, denn sie hatten eine enorme „kriegerische“ Kraft, d.h. sie wussten sich zu verteidigen. Und sie wurden auch nicht in Reservate gesperrt…

Heute findet man sie überall im Alltag, freilich auch mit vielen Problemen und gedemütigt… Da war zum Beispiel dieser Busfahrer gleich am ersten Tag. Der Bus ist noch gestanden. Ich bin eingestiegen, habe mein Ticket gekauft und einen Platz eingenommen. Da ist dieser Maori-Fahrer aufgestanden, ist zu mir nach hinten gekommen, hat mich gefragt, woher ich komme und mich dann willkommen geheissen. „Welcome to New Zealand“ hat er gesagt. Das ist ein ganz anderes Gefühl, als drüben in Australien. Am Abend fuhr auf eine Strecke eine Maori-Frau. Ein Neffe ist eingestiegen. Er hat sie umarmt, und sie hat ihn und eine ganze Gruppe Jugendlicher einfach so mitgenommen. Sie haben während der ganzen Fahrt miteinander gescherzt und es war sehr erfrischend, ihren Lebensgeist zu spüren.

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Die meisten Strassen sind nur zum Teil befahrbar oder ganz gesperrt. Die Strassenbahnen fahren bis zu jenem Punkt, an dem die Schienen damals im Asphalt verschwunden sind… Die Buslinien fahren im Zig-Zag durch die Stadt und die Fahrpläne stimmen mit den Routen zum Teil nicht mehr überein

50.000 Neuseeländer gehen jährlich hinüber nach Australien, um dort zu arbeiten oder zu immigrieren. Die Beschwerdenliste ist lang. Kaum jemand sagt, die Australier seien freundlich, umgänglich oder gastfreundlich. Man fühlt sich diskrimminiert und es gibt sogar eine Menge rassistische Übergriffe. Man fühle sich dort nicht sicher, wage sich abends nirgendwo alleine hin zu gehen. Und die Überteuerung sei ein grosses Problem (obwohl es vergleichsweise auch hier sehr teuer ist, aber man hat nicht das Gefühl, dass einem überall das Geld aus der Tasche gezogen wird). Viele von ihnen würden in ziemlicher Armut leben… Das bestätigt genau das, was ich auch erlebt habe. Dabei war ich sozusagen nur als Besucherin dort.

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Eine elegante Lösung fand man für einige Geschäfte, und dieses Viertel wird nun die Container-City genannt…

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Banken sind genauso in diesen Containern untergebracht, wie die Post (vorletztes Bild) und ein Café (letztes Bild)

Die Zeitungen hier sind täglich voll mit Berichten über Menschen, die sich von den Behörden und Versicherungen im Stich gelassen fühlen. Zahllose Häuser sind immer noch nicht repariert und von den Versicherungen abgesperrt. Die Menschen dürfen selber nicht Hand anlegen, auch wenn sie es könnten. Dabei ist Christchurch keine so riesige Stadt. Vor dem/den Erdbeben lebten hier 350.000 Menschen. Danach sind mehr als 70.000 weggezogen.

Es gibt noch unzählige (auch alte) Menschen, die auf eine Sanierung warten, wie z.B. ein 92-jähriger, dem die Hausreparatur versprochen wurde. Dann sagte man ihm, dass man es niederreissen und neu aufbauen müsse. Geschehen ist bis heute nichts.

Behörden kreuzen manchmal auf und machen ein Hearing. Leute bringen alle Beschwerden vor, die Behörden heucheln Entsetzen. Ein Jahr später ist nach wie vor nichts geschehen, noch haben die Leute von ihnen irgend etwas gehört. Man spricht viel von Korruption – wie überall – aber vermutlich sind viele dieser Bereiche mit ihrer Aufgabe einfach auch völlig überfordert.

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 Ein kleiner touristischer Bereich ist bereits wieder hergestellt, ebenso einige öffentliche Gebäude und der zentrale Marktplatz…

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Das Leben in der Stadt Christchurch geht weiter: Zeichen der Hoffnung und des Lebens wurden errichtet… Doch für viele Jahre noch (man schätzt 10-15) wird es ein Leben im Provisorium bleiben

Vieles erinnert mich hier in Aotearoa (wie man Neuseeland auf Maori nennt) an Hawaii, und die beiden Volksgruppen sind auch eng miteinander verwandt. Alles, was am Meer liegt oder mit Wasser zu tun hat, trägt auch hier den Namen „Wai“.

Warum ich wohl hier zuerst gelandet bin? Nun, wie es aussieht, scheint genau dieser Platz ein sehr wichtiger zu sein im Bezug auf die enormen Veränderungen, die wir jetzt sehen und sehen werden… und die beweglichen Platten unterhalb der Stadt, die immer wieder zu Erdbewegungen führen, stehen augenscheinlich im Zusammenhang mit dem Südpol. Mehr darüber dann später in meinem Buch!

Am Samstag werde ich Christchurch verlassen und hinüber in den Nord-Westen fahren. Dort darf ich im Haus eines Mannes wohnen, dessen Tochter meine Freunde in Vancouver gut kennt. So gehen manchmal die Wege. Ich bin schon gespannt, denn es sollte ein sehr entlegener Winkel dieser Insel sein. Vielleicht sehe ich dort auch den berühmten Kiwi-Vogel, der aussieht, als hätte er ein Fell…

Good bye aus dem heute sonnigen und kühlen Christchurch! Haere ra! auf Maori

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 Die Vogelwelt hier in einer Fluss-Region: letzterer wird Takahe genannt, von denen man einmal geglaubt hat, dass sie ausgestorben seien…

 

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http://vimeo.com/89311531

A PRESENT FROM THE SUN

Sunshine Collection Video & Unfolding Secrets – A Symphony of the Heart – Music

from Nike Kasis

 

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http://www.streifzuege.org/2013/repariert-nicht-was-euch-kaputt-macht

Repariert nicht, was euch kaputt macht!

Gegen das bürgerliche Dasein – für das gute Leben!

http://www.dorfling.de/index.php/home/chef-blog/politik/583-auf-konfrontationskurs-bis-zum-knall

Auf Konfrontationskurs bis zum Knall

http://zeit-zum-aufwachen.blogspot.co.nz/2014/03/das-krebs-und-impfverbrechen.html

Das Krebs- und Impfverbrechen!

http://www.buergerstimme.com/Design2/2014-03/antiamerikanismus-reloaded-jetzt-bringt-mal-alles-aufs-tapet/

Antiamerikanismus reloaded: Jetzt bringt mal alles aufs Tapet

Gestern Uncle Sam und morgen die Apokalypse?

http://www.flegel-g.de/2014-03-24-TTIP-NATO.html

Gibt es eine Verbindung zwischhen TTIP und der Krim-Krise?

http://www.keine-gentechnik.de/news-gentechnik/news/de/28884.html

Neue Gifte braucht das Land

http://www.taz.de/Pestizid-Verbot-zum-Schutz-von-Bienen/!122589/

Pestizid-Verbot zum Schutz von Bienen