River Cruise

P1260634

Vergangenen Sonntag, am späteren Vormittag ging es los… Es war eine mehr als fünf-stündige Tour den Leven-River hinauf, der hier in der Stadt ins Meer fliesst. Am Vormittag war Ebbe und der Wasserstand war daher sehr niedrig. Wir waren eine kleine und angenehme Gruppe von sieben Leuten, nämlich eine vierköpfige Familie aus dem Ort, die beiden Tour-Anbieter und ich.

Unterwegs hörten viel über die ersten Siedler und ihre Industrien, die Strafgefangen, die entkommen waren, die vielen Unglücke (Grubeneinbrüche, Waldbrände, Unfälle) und Vorfälle mit Schlangen…

P1260499 P1260502 P1260566 P1260586 P1260590P1260593

Strahlender Sonnenschein an diesem Sonntag

Bild 4 zeigt die Hütte eines ehem. Sträflings, der entlaufen war

Ich habe meine Ohren dabei immer wieder auf Durchzug gestellt, weil ich mich einfach auf die Natur und auf das Hineinfahren in die Stille konzentrieren wollte… und hin und wieder ist es mir auch gelungen. Da gab es Reiher, Kormorane, Eisvögel (Kingfisher genannt) und schliesslich auch den grossen Wedged Tail Adler. Er flog auf, als wir noch weit entfernt waren, flog hinüber und in einen anderen Wald hinein. Dort aber waren Krähen, und eine hat dann den Adler verfolgt und ihn schliesslich abgedrängt. Es war spannend, wie der Adler Sturzflüge machen musste, um von diesem viel kleineren Vogel nicht attackiert zu werden.

P1260614P1260692P1260732

Bild 2: der Adler fliegt auf

Bild 3: der Adler und die Krähe

Oben angekommen, wurden wir auf eine Buschwanderung geführt. Die sogen. Bushwalks sind hier sehr beliebt, von vielen aber gefürchtet. Unsere beiden Guides waren deshalb auch schwer ausgerüstet, nämlich mit einem grossen Erste-Hilfe-Koffer am Rücken. Wir wurden gewarnt vor abbrechenden Ästen, die in sieben Sekunden den Boden erreichen und bekamen die Anweisung, in einem solchen Fall zum Stamm des Baumes hin zu laufen. Die zweite Gefahr wäre nicht so leicht handhabbar, denn die hochgefährlichen Schlangen dieses Landes konnten praktisch überall versteckt sein. Und dumme Touristen, wie wir waren, hatten wir auch nur Shorts und Sandalen an. Doch die Guides haben ihre Schritte ständig ausgemessen: einer vorne und einer hinten.

So tauchten wir hinein in einen Wald von Farnbäumen, die mehr als achttausend Jahre alt sind, gemischt mit Eukalyptus- und Schwarzholz-Bäumen. Der Geruch war betörend, und man kann sich vorstellen, dass jeder Australier, der auf längere Zeit weg ist, sich erst dann wieder wohl fühlt, wenn er diesen Duft wieder um sich hat. Die Vogelwelt durchdrang diesen unvergleichbaren Urwald mit einem Gekreische (vor allem die weissen Kakadus) und einem Gesang, den man so schnell nicht wieder vergessen kann.

Raben übrigens sprechen hier auch Australisch. Lange Zeit hier war mich nicht klar, von wem denn diese Stimme kommt. Statt des Kra kra kommt da ein Krau Krau, und zwar so, als wäre sie gerade im Stimmbruch. Das klingt sehr durchdringend.

P1260914P1260838P1260764P1260889

P1260752

Bild 4: ein schwarzer Kakadu – sie sind eher selten hier

Natürlich kam es dann auf unserem Walk auch, wie es kommen musste: zuerst brach ein riesiger Teil aus der Krone eines Eukalyptus-Baumes, zum Glück aber etwa fünfzig Meter entfernt. Da war die zweite Gefahr schon viel näher, nämlich direkt vor unserer Führerin… Eine schwarze Tigerschlange bahnte sich direkt vor ihr den Weg auf die andere Seite. Sie wich langsam zurück und meinte: „Zum Glück war sie nicht aggressiv. Die können einen nämlich entgegen-fahren“. Sie hat einen guten Instinkt für diese Dinge. Ich selber habe sie nicht gesehen, denn ich war am hinteren Ende der kleinen Karavana. Der andere Führer hat später dann noch eine Tigerschlage gesehen. Oft sind sie auch auf Bäumen und schlängeln sich über den Weg, oder sie sind im Unterholz und man merkt es erst, wenn man draufsteigt.

Der Lohn für diesen schweiss-treibenden Ausflug war dann etwas ganz Besonderes: im Nu verwandelte sich nun nämlich die kleine offene Hütte in eine Buschküche, und wir wurden verwöhnt, wie man es sich kaum vorstellen kann. Ein dreigängiges Menü wurde serviert, liebevoll hergerichtet und von herrlicher Qualität. Bei der Buchung des Trips habe ich eingegeben, dass ich kein Fleisch möchte, und so bekam ich auch noch ein extra-Menü mit einem zarten, saftigen Wildlachs.

P1260994P1260968P1260980P1260986

Bild 3 Hauptmenü (nicht meins)

Bild 4 Desert

Solchermassen gestärkt sind wir dann den Fluss wieder herunter gefahren, nun aber bei einem hohen Wasserstand. Das war dann bei den Brücken oft Zentimeter-Arbeit. Einer wartete da noch auf uns, knapp bevor wir die Wildnis verliessen: es war der weisse Seeadler. Ich wusste es, denn nicht umsonst war mir zwei Tage zuvor eine grosse Adler-Schwanz-Feder mitten in der Stadt vor die Füsse geweht worden. Da ging es zwar noch um etwas anderes auch, aber es war ein starkes Zeichen…

Je weiter wir uns dann der Stadt näherten, desto mehr Betrieb gab es auf dem Fluss, nämlich von Wassersportlern aller Art. Zufrieden und dankbar sind wir gegen Abend dann in unserem Hafen oder eigentlich am Dock gelandet…

P1260947P1270027P1270078P1270006

P1270098P1270121P1270143P1270086P1270212